icon-faxLogoicon-mailScroll-downicon-phoneScroll-downScroll-down

Auswirkungen der Corona-pandemie auf den fleischverzehr in Belgien

Flanderns Agrar-Marketing-Büro VLAM beobachet das Verbraucherverhalten der Belgier permanent anhand eines Verbraucherpanels.  Im Rahmen des jährlichen Round Table von Belgian Meat Office vergleicht Marketingberater Kris Michiels das Verbraucherverhalten mit einem großen Containerschiff, das sich äußerst langsam durch ruhige See bewegt.  Manche Ernährungstrends verursachen kleine Störungen, aber im Großen und Ganzen bewegt und verändert sich das Verbraucherverhalten nur minimal.  Taucht wie aus dem Nichts ein Tsunami auf, dann gerät das Containerschiff ins Wanken.  


COVID-19 ist einem Tsunami gleichzusetzen.  Seit der Pandemie ist nichts mehr, wie es war.  Plötzlich war Homeoffice angesagt. Während der allseits beliebte Außer-Haus-Verzehr komplett flach fiel, war Dienst am heimischen Herd gefragt. 

Auswirkungen der verschiedenen Corona-Phasen auf das Verbraucherverhalten in Belgien 

Noch während sich das Corona-Virus exorbitant schnell in China verbreitete, wurde (nicht nur) in Belgien eifrig Vogel-Strauß-Politik betrieben. In dieser sogenannten Verleugnungsphase war ‘Business as usual’ angesagt. Im Einzelhandel und Gaststättengewerbe lief alles seinen gewohnten Gang. Preis und Convenience punkteten weiterhin als wichtige Triebfedern im Verbraucherverhalten. Gleichzeitig  wuchs das Interesse an regionalen Erzeugnissen, handwerklichen Produkten, Klima, Tierwohl, etc… 

Unmittelbar nach der Einführung des Lockdown wurde die Vorbereitungsphase eingeläutet.  Die Angst vor Lebensmittelengpässen führte zu massiven Hamsterkäufen.  

Zur Reduzierung des Kontaminationsrisikos wurden in der anschließenden Anpassungsphase neben einer niedrigeren Kauffrequenz, höhere Ausgaben pro Einkaufsakt sowie veränderte Einkaufszeiten beobachtet.  Auch wurde – aufgrund der Schließung der Außer-Haus-Gastronomie - mehr in den eigenen vier Wänden gekocht.

Veränderte Einkaufsstättenwahl  

In puncto angesteuerter Einkaufskanäle gab es markante Verschiebungen. 

Auf der Gewinnerseite belegen die Nachbarschaftsmärkte, Discounter und Fachgeschäfte die obersten Plätze. Die Hypermärkte sind eindeutig die Verlierer der Krise: nach den Hamsterkäufen reduzierten die Verbraucher ihre Ausgaben deutlich; anschließend folgte eine kurze Erholungsphase, der wieder eine rasante Talfahrt folgte.    

VLAM20-045-DE-MeatNews-NAJAAR-2020-Grafiek_04.jpg

 

Einkaufskriterien für Frischprodukte 

Sicherheit ist für knapp drei Viertel der Belgier zum wichtigsten Einkaufskriterium avanciert. Ein deutliches Wachstumsplus verzeichnete die regionale Erzeugung, die von gut jedem zweiten Verbraucher präferiert wurde.  Darüber  hinaus legten knapp 60 Prozent der Belgier mehr Wert auf Umwelt- und Tierwohlkriterien.  

Auswirkungen von COVID-19 auf das Verbraucherverhalten 

Die Krise hat Appetit auf regionale Produkte gemacht und die Verbraucher offensichtlich nachhaltig überzeugt, denn gut 20 Prozent wollen dieser Produktkategorie auch nach der Pandemie ihre Treue halten. Preisbewusstes Einkaufen, Ab-Hof-Verkauf und gesundes Essen wird nach Corona nur noch von knapp 15 Prozent der Verbraucher praktiziert.  Der Einkauf von Bio-Produkten, Fertiggerichten oder vegetarischen Produkten verläuft nach der Krise wieder in gewohnten “Pre-Corona-Bahnen”. 

VLAM20-045-DE-MeatNews-NAJAAR-2020-Grafiek_06.jpg

 

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Fleischverzehr 

Von April bis Juni 2020 waren die Mischungen verschiedener Fleischarten mit einem Wachstumsplus von 30 Prozent besonders beliebt im Königreich.  Während Rind- und Schweinefleisch um 21 bzw. 20 Prozent zulegten, verbuchte Kalbfleisch ein Plus von 17 Prozent.  

Innerhalb der Segmente Fleisch, Geflügel sowie Fisch, Muscheln und Krustentiere stellt Fleisch mit einem Anteil von 56,3 Prozent die wichtigste Kategorie im In-Home-Verzehr dar. Geflügel macht rund ein Drittel der verzehrten Mengen aus.  Fisch, Muscheln und Krustentiere sind mit knapp zwölf Prozent Drittplatzierter im Bunde.  Schlusslicht bilden die Fleischersatzprodukte mit rund einem Prozent.  

VLAM20-045-DE-MeatNews-NAJAAR-2020-Grafiek_05.jpg

Fazit der Studie: 

  • Covid-19 hatte/hat einen großen Einfluss darauf, wo und wie Lebensmittel in Belgien gekauft und verzehrt werden. 

  • Höherer In-Home-Verzehr (wegen der Schließung der Restaurants, dem Fokus auf Telearbeit, Kurzarbeit, etc.) von Frischprodukten sowie insbesondere von Fleisch. Im zweiten Quartal 2020 war der In-Home-Frischfleischverzehr um 23 Prozent höher als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Das größte Wachstumsplus verzeichneten Mischungen verschiedener Fleischarten. 

  • Rückläufige Kauffrequenz (zur Minimierung des Kontaminationsrisikos) und in der ersten Phase der Krise höchste Wachstumsraten für Nachbarschaftsläden, später dann für die Discounter.  Im zweiten Quartal erzielten die Hard-Discounter insbesondere im Fleischsegment starke Zuwachsraten.  

  • Der Einfluss von COVID-19 auf die Verzehrsgewohnheiten der Belgier ist allerdings begrenzt.  
    Produkte, die normalerweise eher zu Hause verzehrt werden, schneiden im Vergleich zu Produkten, die normalerweise eher außer Haus konsumiert werden (z. B. Rindfleisch) leicht besser ab. Allgemein kann konkludiert werden, dass die Belgier ihre traditionellen Verzehrsgewohnheiten beibehalten und mehr oder weniger auf die gleichen Produkte wie früher zurückgreifen (wobei der In-Home-Verzehr steigt).  

  • Auch wenn die Belgier beabsichtigen, künftig mehr regionale und gesunde Produkte zu kaufen, so ist – vor dem Hintergrund der sich andeutenden größeren Wirtschaftskrise – davon auszugehen, dass der Preis weiterhin eine (noch wichtigere) Rolle bei den Kaufentscheidungen spielen wird.